Gründe für die Einstellung des MagLocks (Youtube)

Die Idee leuchtet ein: ein Selfbondage-Schloss ohne Kabel, leicht, kompakt und sicher. Nach einem Jahr Entwicklungszeit war es fertig. Ein Linearaktor drückt einen Stift raus, der Handschellen, Ketten oder Ösen hält. Sobald die Batterien alle sind, fährt der Stift durch eine Feder wieder zurück. Theoretisch fail-safe, sehr einfach gebaut, wenig Teile und Batterien, die auf jeden Fall nach einer Zeit leer sind. Umfangreiche Messungen haben gezeigt, dass die AA-Batterien eine sehr praktikable Schließzeit von knapp zwei Stunden ermöglichen.

Die Funktionstests waren erfolgreich und die Gießform schon produziert. Allerdings blieben Bedenken.

Folgende Schwierigkeiten ließen sich prinzipbedingt nicht vermeiden:

  1. Wenn der Anwender mit Handschellen am Schloss zieht, verhindert die Reibung am Stift, dass er sich zurückzieht. Was ist, wenn man den Arm nicht entlasten kann, etwa durch Krämpfe oder weil die Fesselung sich enger gezogen hat? Dann käme man nicht mehr frei.
  2. Die Feder spielt eine zentrale Rolle beim Öffnen des Schlosses. Je nach Lage muss sie gegen die Schwerkraft des Stiftes arbeiten oder mit ihr. Dadurch ist die Kraft, mit der das Schloss öffnet, nicht vorhersehbar. Schlimmer wäre aber ein Federbruch oder ein Verhaken der Feder. Der Stößel würde nicht zurückfahren.
  3. Die dritte Fehlerquelle liegt in der Beschaffenheit des Stiftes. Er muss möglichst dünn sein, um eine ausreichende Magnetkraft zu gewährleisten, was mit der Physik von Linearmagneten zu tun hat. Bei einer Stärke von 3 mm ist diese Kraft noch ausreichend. Allerdings kann ein 3 mm Stahlstift unter Belastung verbiegen. In dem Fall dürfte er auch nicht mehr zuverlässig zurück ins Gehäuse fahren.

4.      Etwas konstruiert, aber nicht ausgeschlossen wäre ein Fall, bei dem ein Teil des Gehäuses abbricht und den Raum versperrt, in den das nicht sichtbare Ende des Stiftes bei Öffnung hinein fährt.

Wenn es auch nur eine Möglichkeit gäbe, wie ein Zeitschloss versagt, dann darf es nicht zum Einsatz als Release für Selfbondage-Aktivitäten kommen. Alles andere wäre lebensgefährlich. Es können schon genug Dinge schief gehen, die nicht das Schloss selbst betreffen. Auf das Zeitschloss muss immer Verlass sein, dies ist unser oberstes Credo.

Die Erkenntnis aus der Entwicklungshistorie ist also: Solange eine physikalische Kraft, die direkt der Öffnungsrichtung des Schlosses entgegengesetzt gerichtet ist, ist das Schloss sicher. Wenn die Kraft nicht direkt wirkt, sondern in Form eines Stiftes oder Ähnlichem umgelenkt werden muss, verliert das Schloss seine Fail-Safe-Funktion, denn die Elemente, welche die Kraft umleiten, können versagen (in diesem Fall Stift und Feder).

Wir werden immer wieder mal gefragt, ob man das Schloss irgendwie bekommt, leider müssen wir unsere Kunden vertrösten. In dem Zusammenhang ist die Frage berechtigt, warum das Youtube-Video immer noch online ist. Naja, um zu zeigen, dass es eine gute Idee ist, aber eben nur auf den ersten Blick.

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